Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren
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Erinnerung an Arnošt Lustig
26. Februar 2021
Heute vor zehn Jahren erreichte uns die traurige Nachricht, dass ein hervorragender Schriftsteller, erstaunlicher Erzähler und vor allem ein großartiger Mensch und guter Freund, der seine Freunde nie im Stich lässt, gestorben ist: Arnošt Lustig.
Arnošt Lustig war auch ein guter Freund von Lenka Reinerová und ein Sympathisant unserer Institution. Schade, dass er nicht mit uns sein kann.
Als Erinnerung teilen wir ein Foto von einem Besuch bei Peter und Eva Erben in Ashkelon im Jahr 2010.
Lieber Arnošt, wir haben Dich nicht vergessen und wir denken an Dich.
 

100. Geburtstag von Ludvík Aškenázy
24.02.2021

                                                                                                                               Foto: Archiv von Jindřich Mann

Vor 100 Jahren ist der bedeutende tschechische Schriftsteller und Dramatiker Ludvík Aškenázy geboren. Er stammte aus einer tschechisch-polnisch-jüdischen Familie, als sein Geburtsort wird des öfteren Český Těšín (Teschen in der mährisch-schlesischen Region) angegeben, wahrscheinlich ist er jedoch im galizischen Stanislau (heute Ivano-Frankiwsk) auf die Welt gekommen. Er studierte Slavistik an der Universität in Lemberg, nach dem Ausbruch des 2. Weltkriegs und dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 wurde er nach Kasachstan evakuiert. Im Jahr 1942 trat er dem Ersten tschechoslowakischen Bataillon unter Oberst Ludvík Svoboda bei. Er nahm teil an der Schlacht bei Sokolowo in März 1943 sowie an dem Kampf um den Dukla-Pass im Herbst 1944. Mit der Armee von Ludvík Svoboda kam er in Mai 1945 nach Prag, wo er sich nieder ließ. In dieser Zeit lernte er hier Leonie Mann kennen, die Tochter von Heinrich Mann, die mit ihrer Mutter, der Schauspielerin Maria Mann, geb. Kanová, seit 1933 in Prag lebte und hier auch den Krieg überlebte. Später heirateten Ludvík Aškenázy und Leonie Mann, sie hatten zwei Söhne, Jindřich und Ludvík.

Nach der Demobilisierung begann Ludvík Aškenázy als außenpolitischer Reporter im Tschechoslowakischen Rundfunk zu arbeiten, unter seinen Kollegen und Freunden waren auch die später bekannten Schriftsteller Arnošt Lustig und Ota Pavel. Seine Reportagen (z.B. aus Israel, Polen, Deutschland oder USA) sind auch als Bücher erschienen. Seit mitte der 50er Jahre schrieb er vor allem Belletristik. Nach dem großen Erfolg der ersten Erzählsammlung Dětské etudy (Kinderetüden, 1955) hat er sich als Schrifsteller selbstständig gemacht. Nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes im August 1968 verließ er mit seiner Familie die Tschechoslowakei und ging nach München, dem Geburtsort seiner Frau Leonie. Später sind sie zusammen nach Bozen in Norditalien umgezogen. Hier verstarb Aškenázy im Jahr 1986 im Alter von 65 Jahren.

Ludvík Aškenázy brillierte in verschiedenen Formen der Kurzprosa. Nach den Kinderetüden folgten die Sammlugen Milenci z bedny (Die Liebenden aus der Kiste, 1959) und Etudy dětské a nedětské (Kinderetüden und keine Kinderetüden, 1963). Seine wahrscheinlich bekannteste Erzählung ist Das Ei aus der gleichnamigen Sammlung (1963). Neben den Texten, in denen häufig Kinderprotagonisten vorkommen schrieb er auch viele Kinderbücher.

Intensiv widmete er sich auch dem Genre des Hörspiels. Unter den noch in der Tschechoslowakei inszenierten Titeln war das erfolgreichste Das Gespräch ging auf ihre Rechnung, ausgezeichnet auch bei dem internationalen Wettbewerb Prix Italia (1964). Nach 1968 fing Aškenázy bald auf Deutsch zu schreiben, er verfasste und inszenierte zahlreiche Hörspiele und wurde auch als Drehbuchautor erfolgreich. Er schrieb auch viele Kinderbücher, zu den beliebtesten zählen: Wo die Füchse Blockflöte spielen, Wo die goldene Schildkröte tanzt, Die Märchen der vier Winde oder Du bist einmalig. Aus dieser Sammlung wählen wir den Text "Der lebendige Weihnachtsbaum" als kleine Kostprobe des Schaffens von Ludvík Aškenázy.


Enzyklopädie von Prag 2

 Johannes Urzidil, der zu den interessantesten und bis heute meistgelesenen Prager deutschen Autoren gehört, ist am 3. Februar 1896 in der Krakauer Straße in der Prager Neustadt geboren. Die meiste Zeit seiner Kindheit verbrachte er in Vinohrady. Über Urzidil und weitere Prager deutsche Autoren, die ihre Spuren in Prag 2 hinterlassen haben, können Sie in der Enzyklopädie von Prag 2 in tschechischer Sprache lesen. Wir freuen uns sehr, dass wir uns an diesem wundervollen Projekt beteiligen können.


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