Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren
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Aktuelles
27. Januar - Der Holocaust-Gedenktag
27. Januar 2023

Heute begehen wir den Tag zum Gedenken an den Holocaust und zur Verhütung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, dessen Datum an die Befreiung des nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz erinnert. In der Tschechischen Republik wurde dieser Tag zum ersten Mal 2000 ausgerufen und 2004 wurde er gesetzlich eingeführt.

Im Zusammenhang mit diesem bedeutenden Tag, welcher der Millionen unschuldiger Opfer des zweiten Weltkriegs gedenkt, sei auch auf den 140. Geburtstag des deutschschreibenden Erzählers und gebürtigen Pilseners Oskar Baum (21. Januar 1883 - 1. März 1941) erinnert. Dieser Dramatiker jüdischer Herkunft gehörte zum engeren Prager Kreis und war einer der nahen Freunde von Franz Kafka. 1902 zog er nach Prag um, später war er als Organist in der Jubiläumssynagoge in der Jerusalemer Straße tätig und wirkte als Musiklehrer und Musikkritiker. Von Geburt an litt er unter schwacher Sicht. Mit acht Jahren verlor er die Sehkraft eines Auges, als Student verlor er infolge einer Rauferei sein Sehvermögen komplett. In seiner Prosa thematisierte Baum die Blindheit und seine Protagonisten sind oft davon betroffen (z. B. im Roman Das Leben im Dunkeln, 1909). Darüber hinaus werden in seinen Werken auch das Verhalten und mögliche Stellungnahmen des Einzelnen in Grenzsituationen dargestellt, wobei nicht selten das Motiv der Schuld dominiert. Baum schrieb auch regelmäßig Beiträge für wichtige Prager deutschsprachige Tageszeitungen wie Prager Presse und Prager Tagblatt.

Nach der Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren war Oskar Baum an der Hilfe für Verfolgte beteiligt, seine eigene Ausreise nach Palästina jedoch scheiterte. Im Jahr 1941 starb er infolge seiner schweren Krankheit und wurde auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Prag begraben. Seine Frau kam ums Leben zwei Jahre später in einem Konzentrationslager. Der einzige Familienmitglied, der sich retten konnte, war ihr gemeinsamer Sohn Leopold. Ihm gelang die Flucht nach Palästina, wo er kurzzeitig als Beamter der britischen Mandatsverwaltung tätig war.

Mehr über Oskar Baum können Sie in der Enzyklopädie von Prag 2 erfahren, an der sich Prager Literaturhaus beteiligt.

Anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust können Sie sich heute Abend auf ČT Art um 21:10 die Verfilmung der Novelle von Arnošt Lustig Ein Gebet für Katharina Horowitzová ansehen.


Ulrich Joachim Bruss ist gestorben
19. Januar 2023

Dieser Januar ist kein Überbringer guter Nachrichten. Nach den traurigen Ereignissen zum Jahresende 2022, wenn wir von den Toden der uns sehr nahe stehenden Herren Alexander Nesanel Fried und Hartmut Holzapfel erfahren haben, ist auch der Jahresanfang 2023 nicht besonders freudig. Ein Tag nachdem wir die Traueranzeige von dem langjährigen Mitglied des Aufsichtsrats unserer Institution, Herrn Leoš Houska, erhalten haben, hat uns eine weitere traurige Nachricht getroffen. Mit großer Bestürzung und tiefer Trauer haben wir vom plötzlichen und unerwarteten Tod von unserem langjährigen Freund und Vorstandsmitglied Joachim Bruss erfahren, der uns am Montag, dem 16. Januar 2023 im Alter von 77 Jahren verlassen hat.

Joachim verkörperte das Beste in den deutsch-tschechischen Beziehungen, sowohl im politischen als auch im kulturellen Bereich. Immer interessierte er sich aktiv für unsere Institution und falls es ihm möglich war, beteiligte er sich persönlich an allen unseren Aktivitäten. Während der letzten vier Jahre hat er noch intensiver am Leben des Prager Literaturhauses teilgehabt, und zwar als Vorstandsmitglied. Mit Joachims Abschied geht auch eine ganze Ära in den deutsch-tschechischen Beziehungen zu Ende und in kurzer Zeit ist es ein weiterer großer Verlust für unsere Institution.

Lieber Joachim, du wirst zutiefst vermisst. Es bleibt uns eine Menge an wunderbaren Erinnerungen und gemeinsamen Erlebnissen. Wir werden dein Andenken in Ehren halten.

Ein Nekrolog ist in der heutigen Ausgabe der Tageszeitung Lidové noviny erschienen und hier auch in deutscher Übersetzung von Andreas Weber abrufbar.


Germanist Leoš Houska verstorben
19. Januar 2023

Mit tiefer Trauer haben wir die Nachricht erhalten, dass uns der bedeutende Germanist, Herr PhDr. Leoš Houska, am Dienstag, den 10. Januar 2023 nach einer längeren Krankheit und kurz vor seinem 89. Geburtstag für immer verlassen hat. Leoš Houska hat an der Liblitzer Konferenz über die Prager deutsche Literatur im Jahr 1965 teilgenommen und hat die Konferenzbeiträge zum Druck vorbereitet. Diese erschienen unter dem Titel Weltfreunde und gelten als Standardwerk zu diesem Thema. Mit der Prager deutschen Literatur beschäftigte sich Leoš Houska sein ganzes Berufsleben lang und publizierte eine Reihe von Texten über Franz Kafka oder Max Brod. Als Sekretär der Kommission tschechischer Germanisten bei der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik beteiligte er sich an den Vorbereitungen des 80. Jahrestags der Geburt von Franz Kafka. Unter anderem war er auch ein langjähriger Mitglied des Redaktionsrats der Zeitschrift Cizí jazyky.

Leoš Houska war bei der Entstehung des Prager Literaturhauses dabei, einige Jahre war er auch im Aufsichtsrat tätig. Soweit es sein Gesundheitszustand zuließ, nahm er gerne an den traditionellen Partner- und Freundestreffen des PLH teil.

Die Beerdigung fand heute im Neuen Zeremoniensaal in Olšany statt.

Wir gedenken Herrn Leoš Houska mit Respekt und Dankbarkeit. Er wird zutiefst vermisst.


Andenken an Libuše Moníková
12. Januar 2023

Heute ist der 25. Jahrestag des frühen Todes von Libuše Moníková, der tschechischen Autorin deutscher Sprache, die im Alter von 52 Jahren in Berlin starb. Trotz ihres kurzen Lebens hat sie die literarische Landschaft entscheidend geprägt und eine Reihe von Werken geschrieben, die von der Kritik gelobt sind.

Die gebürtige Pragerin Libuše Moníková (*30. 08. 1945) studierte Germanistik und Anglistik beim tschechischen Literaturhistoriker Eduard Goldstücker, 1968 erhielt sie ein Stipendium für einjährigen Aufenthalt an der Universität in Göttingen und 1971 zog sie in die BRD. Danach war sie an den Universitäten in Kassel und Bremen tätig. In ihren Werken thematisierte sie häufig die tschechische Herkunft und versuchte Gemeinsamkeiten zwischen Tschechen und Deutschen zu suchen. Tschechische Übersetzungen ihrer Bücher erscheinen seit 1991, zu den bekanntesten zählen ihre Romane Die Fassade (1987) oder Verklärte Nacht (1996). Für ihr literarisches Schaffen wurde Libuše Moníková mit zahlreichen internationalen Literaturpreisen ausgezeichnet u.a. mit Alfred-Döblin-Preis oder Franz-Kafka-Literaturpreis.

Vor fünf Jahren haben wir an Libuše Moníková mit der Ausstellung Im Dialog mit Libuše Moníková erinnert. Die Ausstellung fand im Haus des Lesens der Prager Stadtbibliothek statt, und zwar unter Teilnahme von Josef Moník, dem Bruder der Autorin und Freund des PLH.

Mehr über Leben und Werk der Autorin können sie in Artikeln des Tschechischen Rundfunks Dvojka und in Prager Zeitung lesen und hören.


Hartmut Holzapfel gestorben
4. Janur 2023

Mit tiefer Trauer haben wir vom Tod des Herrn Hartmut Holzapfel (1944-2022) erfahren, der uns am Mittwoch, dem 21. Dezember 2022 nach einer langen Krankheit für immer verlassen hat.

Hartmut Holzapfel war in den neunziger Jahren Hessischer Kultusminister und langjähriger Abgeordnete des Hessischen Landtags (1974-2008). Sein besonderes Interesse galt den Beziehungen Hessens zu anderen europäischen Regionen. 2003 initiierte er die Gründung vom Hessischen Literaturrat, der vier Jahre später zum ersten ausländischen Austauschpartner des Prager Literaturhauses wurde. Dank Herrn Hartmut Holzapfel ist unser Austauschstipendienprogramm für Schriftsteller*innen entstanden, das in den vergangenen Jahren bereits über hundert literarische Stipendien an tschechische und deutsche Autorinnen und Autoren vergab.

Hartmut Holzapfel hat auch in den letzten Jahren, trotz der Verschlechterung seines Gesundheitszustands, nicht aufgehört, sich für die Tätigkeiten und das Leben des Prager Literaturhauses zu interessieren. Wenn es ihm möglich war, gerne besuchte er unsere Veranstaltungen. Im Juli des vergangenen Jahres hat er sich entschieden, ein großes Teil seiner privaten Bibliothek an uns zu schenken und trug so deutlich zur Bereicherung des Bibliotheksbestands des PLH bei.

Der Tod des Herrn Hartmut Holzapfel ist ein großer und unersetzlicher Verlust. Wir fühlen uns jedoch geehrt sowie verpflichtet, sein Andenken mit unserer Tätigkeit zu ehren. Weiterhin wollen wir die Zusammenarbeit nicht nur mit dem Hessischen Literaturrat festigen und vertiefen und so den Nachlass von Hartmut Holzapfel bewahren.


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