Der Prager Kreis – musikalisch betrachtet
Di, 12. Mai 2026, 18:00
Prager Literaturhaus | Ječná 11, Praha 2Der engere Prager Kreis, zu dem nach Brod neben ihm selbst Franz Kafka, Oskar Baum und Felix Weltsch sowie nach Kafkas Tod Ludwig Winder gerechnet werden, belegt für einige seiner Exponenten eine außerordentlich intensive Beschäftigung mit Musik. Dies gilt für den Erfinder des Prager Kreises Max Brod, der als Musikkritiker u. a. im Prager Tagblatt oder als Förderer von Leoš Janáček wirkte und Musik auch literarisch thematisierte. Gleichermaßen gilt dies für Oskar Baum, der als Klavierlehrer und Musikkritiker der Prager Presse tätig war. Nimmt man noch Personen aus dem weiteren Prager Kreis hinzu, hier wäre Franz Werfel zu nennen, der mit Verdi. Der Roman der Oper ein zentrales musikbiographisches Thema behandelte, so scheint insgesamt ein starkes Interesse für Musik im Prager Kreis zu bestehen. Dies wird auffällig von der Person in Abrede gestellt, die bis heute als Zentralfigur nicht nur des Prager Kreises, sondern der Prager deutschen Literatur insgesamt fungiert. Franz Kafka konnte, so erinnert sich Max Brod, nicht einmal die Lustige Witwe vom Tristan unterscheiden. Andererseits nimmt gerade in Kafkas Werk das Motiv des Musikalischen eine zentrale Rolle ein, erwähnt seien nur Erzählungen wie Forschungen eines Hundes oder Josephine die Sängerin oder das Volk der Mäuse. Vor diesem Hintergrund wird zum einen die biographische, insbesondere musikvermittelnde Rolle von Musik im Prager Kreis behandelt, zum anderen sollen ausgewählte Aspekte des Musikalischen und Unmusikalischen zur Sprache kommen.
Steffen Höhne ist Professor für Kulturwissenschaft und -management an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und der Friedrich-Schiller-Universität Jena; zu seiner umfassenden Publikationstätigkeit gehört u.a. auch die Mitherausgeberschaft des Handbuchs der deutschen Literatur Prags und der Böhmischen Länder (2017) und des Handbuchs der Literaturen aus Czernowitz und der Bukowina (2023).
Nur auf Deutsch.
Die Veranstaltung findet im Rahmen der langfristigen Zusammenarbeit mit dem Institut für Germanistik der Karluniversität Prag/Kurt-Krolop Forschungsstelle statt.

