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124. Geburtstag von Milena Jesenská

10. August 2020


 
 
Milena Jesenská ist heute vor 124 Jahren, im Jahre 1896 in Prag geboren, und am 17. Mai 1944 als Opfer des Nazi-Regimes im KZ Ravensbrück gestorben. Sie war vor allem als Journalistin und Übersetzerin tätig.
 
 
Zu diesem Anlass möchten wir ein Zitat von ihr teilen:

Jugend:
Ich weiß nicht, durch welchen Irrtum die Phrase aufgekommen ist und heute für eine Wahrheit gilt, daß die Jugend die einzig glückliche Zeit des menschlichen Lebens ist. Vielleicht, weil die Menschen so schnell vergessen und das Vergangene immer schön ist, denn einerseits steht uns das Grauen des unsicheren Endes bevor, andererseits bleibt die Jugend, einmal erlebt, unser Besitz, sie vermehrt unseren inneren Reichtum, und der Mensch in seiner Armseligkeit hängt an dem, was er das Seine nennt, als wäre er ohne Besitz der Vergänglichkeit mehr ausgeliefert.
(Národní Listy, Feuilleton, 23. November 1922)
 


 
Als Mitglied der Prager Oberschicht begann sie ein Medizinstudium, welches sie allerdings abbrach. Sie verkehrte in der Prager deutsch-jüdischen Gesellschaft, wo sie unter anderem Max Brod und Franz Werfel kennenlernte. Sie heiratete schließlich den Literaten und Bankangestellten Ernst Pollak und zog mit ihm nach Wien. Das Paar lebte von Gelegenheitsarbeiten, vor allem von Jesenskás Arbeit, welche Tschechischen Sprachunterricht, Übersetzungen und journalistisches Schreiben beinhaltete.
 
1919 übersetzte sie Kafkas Erzählung „Der Heizer“ sowie weitere seiner Prosatexte ins Tschechische. In dieser Zeit wächst ihr Interesse daran, selbst zu Schreiben. Durch den vermehrten Kontakt ergab sich kurz darauf schließlich eine romantische Beziehung mit dem Schriftsteller, und aus der Beziehung stammt ein umfangreicher Briefwechsel. Kafkas Briefe an Milena sind erhalten, ihre leider verschollen. Er beendete schließlich die Beziehung im November 1920.
 
Ihre Jahre in Wien mit Pollak waren unglücklich, und ihre Ehe zerbrach immer mehr. Nach Kafkas Tod 1924 trennte sich Jesenská von Pollak. Sie zog zurück nach Prag, um dort als Journalistin zu arbeiten. Sie schrieb vor allem über das Zusammenleben von Tschechen, Deutschen und Juden in der Tschechoslowakei. Außerdem war sie für die Prager Zeitung Tribuna tätig, schrieb über die soziale Lage in Wien, was sie als Journalistin bekannt machte.    

1927 heiratete sie ein zweites Mal, und zwar den Architekten Jaromír Krejcar. Ein Jahr später wird ihre Tochter Jana geboren. Nach einer Behandlung zur Schmerzlinderung mit Morphium wird sie süchtig danach und litt jahrelang an ihrer Suchterkrankung. Ihre zweite Ehe zerbrach daran.
 
1938. Die Deutschen rücken gnadenlos vor, so auch in das Sudetenland. Dies führte zu einer großen Anzahl an Flüchtenden, die nach Prag strömten. Jesenská begann bald darauf, ihren jüdischen Kollegen und Kolleginnen zur Flucht zu verhelfen: Zur polnischen Grenze, bei Moravská Ostrava, und dann nach England. Ihre Wohnung wurde zu einem temporären Unterschlupf, sie unterstützte die Fliehenden mit Verpflegung und Dokumenten.
 
Bald wurde Jesenská von der Gestapo verdächtigt, und wurde im November 1939 schließlich verhaftet. Nach monatelangen Verhören wurde sie zur „Umerziehung“ in das KZ Ravensbrück gebracht. Dort stirbt sie nach langem Leiden schließlich mit 48 Jahren an einer Nierenerkrankung.    
       
Für ihre Unterstützung für Juden und Jüdinnen im Nationalsozialismus wird ihr 1994 der Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern“ von der Gedenkstätte Yad Vashem verliehen.
 
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